Gütesiegel für Ökostrom
Ob aus Atomkraft oder Windenergie – der Strom aus der Steckdose lässt sich nicht unterscheiden. Ein Bild macht das deutlich: Das Stromnetz ist wie ein großer See, der zahlreiche Zuflüsse und Entnahmestellen hat. Genauso speisen viele Kraftwerke ihren Strom ein – und Millionen Verbraucher entnehmen ihn, um Elektrogeräte zu betreiben. Der Strom aus Erneuerbarer Energie „vermischt" sich dabei im Stromnetz mit Strom aus konventioneller Erzeugung – der Verbraucher kann nicht erkennen, aus welcher Quelle er gekommen ist. Wechselt er zu einem Ökostrom-Anbieter fließt immer noch derselbe Strom aus der Steckdose – wie kann er dann sicher sein, dass „sein" Strom aus Erneuerbarer Energie stammt? Auf die Gesamtbilanz kommt es an: Ein Ökostrom-Anbieter muss dieselbe Menge Strom einspeisen, wie sein Kunde entnommen hat – der Wasserspiegel im See darf sich nicht verändern. Das garantieren Ökostrom-Zertifikate, die ECOCAMPING hier vorstellt:
- Technischer Überwachungsverein (TÜV): Der TÜV vergibt eine Reihe von Gütesiegeln (EE 01, EE 02, UE 01, UE 02, vdTÜV 1304). Sie unterscheiden sich in erster Linie durch ihren jeweiligen Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) am Strommix, er liegt zwischen 0 und 50 Prozent. KWK-Anlagen zur Stromproduktion arbeiten energieeffizienter als Anlagen, die nur Strom erzeugen. So leisten sie einen Beitrag zum Umweltschutz, auch wenn in ihnen fossile Brennstoffe verbrannt werden. Diese Anlagen nutzen die entstehende Abwärme, die sonst verloren gehen würde (z. B. zur Erwärmung von Heizwasser). Der restliche Strom kommt aus Erneuerbaren Energien. Das Zertifikat EE 02 wird verliehen, wenn der Strom ausschließlich mit Wasserkraft erzeugt wird. Es besteht keine Verpflichtung, in neue Anlagen zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien zu investieren.
- Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA): Das Label „Öko-Strom regenerativ" gibt es für Anbieter, die Strom zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien verkaufen. Das Label „Ökostrom effektiv" ist für Strom gedacht, der mindestens zu 25 Prozent aus Erneuerbarer Energie kommt. Die restlichen 75 Prozent müssen mit KWK-Anlagen erzeugt werden. Für beide Gütesiegel gilt: In einen Ausbau der Stromerzeugung aus regenerativer Energie muss nicht investiert werden, lediglich eine Marktprognose ist für diesen Zweck zu erstellen.
- EnergieVision e. V.: Der Verein setzt auf den Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbarer Energie, ein „zusätzlicher Umweltnutzen" ist das Ziel. Sein Gütesiegel „ok-power" gibt es in zwei Varianten: Im „Händlermodell" darf der Anteil aus KWK nicht über 50 Prozent steigen (nur Erdgas), der restliche Strom kommt aus Erneuerbarer Energie. Der „zusätzliche Umweltnutzen" wird erreicht, wenn der Strom in Anlagen erzeugt wird, die nicht unter das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fallen. Im „Fondsmodell" stammt der Strom zu 100 Prozent aus regenerativer Energie, ein Teil des Strompreises (Förderbeitrag) wird genutzt, um in den Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbarer Energie zu investieren.
- Grüner Stromlabel e. V.: Dieser Verein vergibt das „Grüne Stromlabel" in „Silber" und „Gold"; er hat sich den Bau von Neuanlagen im Bereich der regenerativen Energie zum Ziel gesetzt. In diesen Ausbau fließt pro Kilowattstunde mindestens ein Cent, wenn man Strom mit diesem Label kauft. „Silber" bedeutet dabei: Bis zu 50 Prozent des Stroms kommen aus KWK-Anlagen, der Rest aus Erneuerbarer Energie, die auch mit mindestens 50 Prozent finanziell gefördert wird. Das übrige Geld wird für KWK-Anlagen ausgegeben. „Gold" bedeutet: Der Strom stammt zu 100 Prozent aus regenerativer Energie, und die Förderung geht zu 100 Prozent an Anlagen, die Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugen.
- RECS-Deutschland e. V.: RECS-Zertifikate sind ein besonderes Gütesiegel, die Abkürzung steht für „Renewable Energy Certificate System". Wird in Europa in diesem System eine Megawattstunde grüner Strom produziert, gibt es dafür ein RECS-Zertifikat. Will ein Ökostromanbieter eine bestimmte Menge Strom verkaufen, erwirbt er die entsprechende Menge an Zertifikaten. Damit ist sichergestellt, dass der verkauften Menge dasselbe Produktionsvolumen gegenübersteht. Ein Zubau von Neuanlagen wird aber nicht gefördert.
Fazit: Ökostrom kann verschiedene Eigenschaften haben – der Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung variiert erheblich, und der Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien wird sehr unterschiedlich gefördert.