Weltweit: Wandel durch fairen Handel

 

Kaffeebauern in Costa Rica, Campingplatz in Europa – wie lässt sich hier eine Brücke schlagen? Durch Produkte aus fairem Handel: In Costa Rica gibt es einen Genossenschaftsverband, zu dem sich acht Kooperativen mit ca. 3.500 Kleinproduzenten zusammengeschlossen haben. Die Kooperativen mussten vor ein paar Jahren mit Produktions- und Verarbeitungskosten kalkulieren, die für rund ein halbes Kilogramm Kaffee bei 120 US-Cent lagen – aber auf dem Weltmarkt konnten zu diesem Zeitpunkt nur 60-80 US-Cent für diese Menge erzielt werden. Im fairen Handel dagegen waren garantierte Preise zwischen 126 und 131 US-Cent möglich – so konnten die Kaffeebauern überleben. Das gilt auch heute: Verkauft ein europäischer Campingplatz in seinem Laden Kaffee aus fairem Handel, trägt er dazu bei, in den Ländern des Südens die Existenz der Menschen zu sichern. Nicht durch Almosen, sondern durch faire Preise.

 

Noch ein Blick nach Costa Rica: Der Preiszuschlag durch fairen Handel wird entsprechend der Produktionsmengen unter den Produzenten aufgeteilt. 60 Prozent gehen direkt an den Kaffeebauern und steigern sein Einkommen; 15 Prozent fließen in einen Entwicklungs- und Kreditfonds, der ein Kapital von ca. zwei Millionen US-Dollar aufweist – und die übrigen 25 Prozent finanzieren Sozialprogramme des Genossenschaftsverbandes, zum Beispiel wird das Geld für Stipendien ausgegeben.

 

Einen ökologischen Effekt gibt es auch: In der Regel wird Kaffee in konventionellen Monokulturen angebaut, Fungizide und Herbizide setzt man zum Pflanzenschutz ein. In den acht Kooperativen hingegen fanden erste Versuche statt, einen ökologischen Kaffeeanbau einzuführen. Außerdem wurden Standards für den Umweltschutz und die Arbeitssicherheit entwickelt. Die Kaffeebauern verbesserten deutlich die Behandlung ihrer Abwässer und beteiligten sich an Programmen zur Wiederaufforstung. Man setzt auch auf saubere Technologien, zum Beispiel arbeitet man jetzt mit einem Solartrockner für den Kaffee.

 

Das Beispiel Costa Rica zeigt, wie das Prinzip Mindestpreis im fairen Handel funktioniert: Kaffee, Kakao oder Zucker werden an internationalen Börsen gehandelt, ihr Preis bildet sich durch das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage. Außerdem wird über Geschäfte in der Zukunft spekuliert. Die Kaffeebauern in Costa Rica haben keinen Einfluss auf dieses Marktgeschehen – der Weltmarktpreis für Kaffee kann in den Keller gehen, und so ihre Existenz bedroht sein. An diesem Problem setzt der Mindestpreis an: Er wird unabhängig von Schwankungen am Weltmarkt bezahlt, seine Höhe wird für einzelne Produkte von der „Fair Trade Labelling Organisation" (FLO) festgelegt, und zwar in Absprache mit den Produzenten und den nationalen Mitgliedsorganisationen. Dieser Preis deckt die Produktionskosten und die täglichen Lebenserhaltungskosten – in jedem Fall liegt er über den Preisen auf dem konventionellen Markt. Hinzu kommt: Bestimmte Kriterien des fairen Handels sind immer einzuhalten, zum Beispiel soll ein direkter Handel mit den Produzenten stattfinden, unter Ausschluss von Zwischenhändlern. Es werden Prämien gezahlt, Vorfinanzierungen realisiert und langfristige Lieferbeziehungen aufgebaut. Diese Konditionen kommen im Moment fünf Millionen Produzenten in 57 Ländern zugute.

 

Die FLO wurde als Dachorganisation von 16 nationalen Siegel-Initiativen und dem Verein „TransFair" gegründet, dessen „Fairtrade"-Siegel in Deutschland garantiert: Bei einem Produkt mit dieser Auszeichnung wurden alle Kriterien des fairen Handel eingehalten. „TransFair" treibt selbst keinen Handel, vergibt aber sein Gütesiegel für fair gehandelte Waren. Dazu zählen zurzeit u. a. Kaffee, Kakao, Tee, Honig, Schokolade, Bonbons und Orangensaft. Um das Siegel zu bekommen, muss man keine Standards der ökologischen Landwirtschaft einhalten. Trotzdem gibt es einen Biozuschlag, wenn ein Produkt aus ökologischem Anbau stammt, weil eine umweltverträgliche Erzeugung auch dem Verein „TransFair" wichtig ist. Inzwischen tragen 65 Prozent aller fair gehandelten Produkte zusätzlich ein ökologisches Gütesiegel.

Kaffee aus fairem Handel auf dem Campingplatz – kein exotisches Angebot: Schon 27.000 Supermarkt-Filialen verkaufen Produkte mit dem „Fairtrade"-Siegel, seit 1992 wurde ein Umsatz von ca. 800 Millionen Euro erzielt.

 
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