Recycling - vom Sektkorken zum ökologischen Dämmstoff
Wenn der Wald brennt, haben Korkeichen in Südeuropa eine hohe Überlebenschance: Ihre Rinde aus Kork schützt sie vor der Hitze, genauso wie vor Infektionen, Austrocknung oder Schädlingsbefall. Diese Widerstandsfähigkeit macht Kork als Material so interessant: Schon in der Antike fertigte man aus ihm Sohlen für Sandalen, heute findet Kork sogar in der Weltraumfahrt Verwendung: Wo im „Space Shuttle" Hitzeschutz gefragt ist, kommt Material aus Kork zum Einsatz.
Kork ist aber auch leicht, schwimmfähig und Wasser abweisend – und verrottet fast überhaupt nicht. Weitere Eigenschaften, die eine Vielzahl von Anwendungen möglich machen: Flaschenkorken, Fußbodenbeläge, Isoliermaterial und Dämmstoffe. Das hat auch die „Diakonie Kork" erkannt, die 1991 die Aktion „Korken für Kork" ins Leben rief: Flaschenkorken sind als Material zu wertvoll, um sie einfach wegzuwerfen – diese Erkenntnis war der Ausgangspunkt, um einen Recycling-Betrieb aufzubauen. Die Resonanz in der Bevölkerung war groß, inzwischen gibt es in Deutschland 2.700 Sammelstellen für Korken. Dazu zählen Großsammelstellen wie Recycling-Höfe, aber auch engagierte Schulklassen oder private Haushalte. Auf diese Weise kommen im Jahr 3.500 Kubikmeter Korken zusammen, was etwa 140 Millionen Flaschenkorken entspricht (mehr als zehn Prozent des Korkaufkommens in Deutschland).
An dieser Aktion können sich auch Campingplätze beteiligen, wo doch im Urlaub die ein oder andere Flasche Wein getrunken wird: Die „Diakonie Kork" unterstützt die Plätze, wenn eine Sammelstelle einzurichten ist, und zwar mit kostenlosen Informationen, Sammelsäcken und Verteilmaterialien. Bei der „Diakonie Kork" kann man auch erfahren, wo sich die nächste kommunale oder kreiseigene Sammelstelle befindet (Kontakt: „Diakonie Kork", Tel. 07851/ 84-1505; E-Mail: korken-fuer-kork@diakonie-kork.de).
Wer auf seinem Campingplatz Kork sammeln will, muss auf eine getrennte Erfassung achten: Die Korken dürfen nicht erst im Müll landen und sollten frei von Fremdstoffen sein (zum Beispiel Metallbügel bei Sektkorken). Sind 25 weiße Sammelsäcke gefüllt, holt sie eine Spedition kostenlos ab. Aber nur als Beiladung, wenn freier Frachtraum zur Verfügung steht, damit die Ökobilanz besser ausfällt. Bis dahin sollten die Säcke trocken lagern.
Was geschieht mit den Korken, wenn sie nach Kork kommen? Zwölf behinderte Menschen haben dort einen Arbeitsplatz gefunden: Sie sind beim Entladen der LKWs dabei und sortieren Fremdstoffe aus. Weitere Arbeitsplätze sind im Lager, der Gruppenleitung und der Verwaltung entstanden. Hergestellt wird ein Produkt für den ökologischen Hausbau: „RecyKORK®-Dämmstoffgranulat". Dieser Dämmstoff wird ohne chemische Zusatzstoffe produziert, er ist frei von Schadstoffen wie Formaldehyd, PCB oder Lindan. Außerdem enthält er keine Asbest- oder Mineralfasern. Mehr als 30.000 Kubikmeter Korken wurden bisher in dieser Weise recycelt.
So verbindet die Aktion „Korken für Kork" soziale und ökologische Aspekte – in vielen Landkreisen und Kommunen ist sie schon Teil der Abfallwirtschaft geworden. Ähnliche Aktionen sind in der Schweiz und Österreich angelaufen, wo Korken genauso gesammelt werden. Auch in der Umweltpädagogik spielt die Initiative eine wichtige Rolle, das Sammeln von Korken macht Kinder auf ökologische Fragen aufmerksam. So organisiert der Landkreis Karlsruhe einen Korkensammelwettbewerb für Schulen und Jugendgruppen, bei dem jährlich mehr als 20 Tonnen Korken zusammenkommen. Auch Hotel- und Handelsketten sowie Kaufhäuser und eine Fluggesellschaft haben das Thema „Korken" entdeckt – als Symbol für mehr Umweltschutz im Alltag.