Barrierefreiheit – Bäder ohne Hindernisse
Die statistischen Voraussagen sind eindeutig: Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen nimmt bis 2050 zu – von heute zwei Millionen auf 3,8 Millionen. Ein Trend, der in der Campingwirtschaft seine Spuren hinterlässt. Denn auch Menschen mit Behinderungen wollen Urlaub machen. „Barrierefreiheit“ lautet das Zauberwort: Wer sich neue Kundengruppen erschließen will, sollte in eine barrierefreie Anlage investieren. Das beginnt bei Toilette, Waschtisch und Dusche.
Hindernisse im Sanitärbereich schränken die Mobilität und Selbständigkeit behinderter Menschen erheblich ein. Daher sind barrierefreie Bäder und Toiletten eine wichtige Bedingung, damit sich dieser Kundenkreis auf Ihrem Campingplatz wohlfühlt. Auch der Zugang sollte ohne Hindernisse gestaltet sein. Zahlreiche Details sind zu beachten, wenn Sie ein Bad ohne Hindernisse einrichten (Quelle: www.ikz.de):
Toilette: Es empfiehlt sich, die Toilettenschüssel in einer geeigneten Höhe zu montieren, in der Regel sind das 48 Zentimeter, einschließlich des Sitzes. Wichtig sind Bewegungsflächen vor der Toilette: Die Raumgröße orientiert sich an den Maßen eines Rollstuhls und seinem notwendigen Aktionsradius. Unterschiedliche Grundpositionen müssen möglich sein, um leicht vom Rollstuhl auf die Toilettenschüssel zu wechseln. Ein Platz neben dem WC ist sinnvoll, damit auch eine helfende Person in der Lage ist, bei Bedarf einzugreifen. Der Klopapier-Halter und die Toilettenspülung sind so anzuordnen, dass sie aus der Sitzposition mit der Hand gut zu erreichen sind. Ein behinderter Mensch braucht auch ausreichend Haltegriffe, die im richtigen Abstand installiert sein müssen.
Waschtisch: Eine „verlängerte Einhebelmischarmatur mit Temperaturbegrenzer“ wird empfohlen, um den nötigen Bedienungskomfort am Waschtisch zu gewährleisten. Auch eine berührungslose Armatur oder eine Handbrause sind denkbar. Wichtig: Ein Rollstuhlfahrer muss den Waschtisch unterfahren können, eine frontale Nutzung sollte möglich sein. Dazu ist ein „Unterputz-Syphon“ zu montieren, handelsübliche Syphons würden den Weg versperren. Der Spiegel ist so anzubringen, dass ihn ein Rollstuhlfahrer im Sitzen benutzen kann. Außerdem sollten Sie die Beleuchtung des Spiegels blendfrei anordnen. Achten Sie darauf, dass neben dem Waschtisch genug Platz ist, um Hygiene-Artikel abzulegen (möglichst mit einer Schutzumrandung).
Dusche: Sie muss bodengleich installiert sein, das heißt, ein behinderter Mensch soll sie betreten können, ohne über eine Stufe zu stolpern. Duschkopf und Armaturen müssen sich leicht verstellen lassen, auf eine ergonomische Form ist zu achten. Und: Ein Duschsitz rundet die Ausstattung der Dusche ab.
Sonstiges: Der Bodenbelag im Bad sollte ausreichend rutschfest sein, Sie dürfen keine scharfkantigen, strukturierten Fliesen verwenden. Die Zugangstür ist breit genug und lässt sich nach außen öffnen (im Notfall sollten Sie die Türe auch von außen entriegeln können). Große Glasflächen müssen bruchfest und kontrastreich gekennzeichnet sein. Genug Stauraum ist einzuplanen, er muss auch leicht erreichbar sein. Die Temperatur im Bad sollte konstant 26 °C betragen (kurzfristig bis zu 32 °C), was durch zusätzliche Heizelemente erreicht wird. Schließlich ist für eine ausreichende Entlüftung zu sorgen, eventuell durch eine motorische Absaugung.
Auf diese Weise lässt sich ein Bad barrierefrei gestalten. Eine sinnvolle Investition, wenn Sie an den demographischen Wandel in Deutschland denken. Die Menschen werden älter und wollen auch beim Reisen auf Komfort nicht verzichten. Wenn Sie sich auf die Bedürfnisse dieser wachsenden Gruppe einrichten, gewinnen Sie neue Kunden – und Menschen mit Behinderung werden bei Ihnen zufrieden Urlaub machen. Doch nicht nur diese Kundengruppe erreichen Sie: Auch ältere Menschen ohne Behinderung freuen sich über mehr Komfort auf dem Campingplatz. Sie genießen die großzügigen Anlagen; die barrierefreie Bauweise bringt für diese Kunden große Vorteile.
Aber: Barrierefreiheit hört nicht am Eingang zum Sanitärbereich auf. Viele Bereiche Ihres Campingplatzes lassen sich barrierefrei gestalten, zum Beispiel: die Beleuchtungen, die Wege, die Ausschilderung oder Restaurant-Zugänge. Immer können Sie die Interessen behinderter Menschen berücksichtigen, sogar im Internet. Denn auch Ihre website lässt sich barrierefrei aufbauen, etwa durch größere Schriften oder einfache Möglichkeiten der Navigation.